Orchester in der Noll-Küche

 

Orchester in der Noll-Küche: Blasmusiker kochen in Jenaer Traditionsgaststätte

 

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Am Sonntag (22. Januar 2017) stehen die Schott-Blasmusiker in der Küche der Jenaer Gaststätte „Zur Noll“. Die Aktion unterstützt einen besonderen Verein.

 

19. Januar 2017 / 02:36 Uhr

 

Chefkoch Andreas Jahn (links) und sein Team überlassen die Noll-Küche den Musikern des Schott-Blasorchesters. Der Vorstand des Musikvereins, Guido Geßner (2. von rechts), und Alt-Vorstand Günter Müller Hipper (rechts) haben bereits Routine darin. Friedrich Praetorius (3. von rechts) ist der neue Dirigent des Blasorchesters. Foto: Jördis BachmannChefkoch Andreas Jahn (links) und sein Team überlassen die Noll-Küche den Musikern des Schott-Blasorchesters. Der Vorstand des Musikvereins, Guido Geßner (2. von rechts), und Alt-Vorstand Günter Müller Hipper (rechts) haben bereits Routine darin. Friedrich Praetorius (3. von rechts) ist der neue Dirigent des Blasorchesters. Foto: Jördis Bachmann

 

Jena. Der Noll-Chefkoch Andreas Jahn hängt die Kelle an den Nagel – wenigstens für einen Tag. Er gibt zum 17. Mal sein Gasthaus in die Hände der Musiker des Schott-Blasorchesters. Sie übernehmen am Sonntag, 22. Januar 2017, ab 11.30 Uhr die Traditionsgaststätte "Zur Noll", während die Noll-Belegschaft ihren Betriebsausflug genießen darf .

 

Beim ersten Mal vor 17 Jahren sei es ein "gruseliges Gefühl" gewesen, die "Noll" an Leute zu übergeben, die nicht wissen, wo das Kehrblech und die Sicherungen sind, sagt Andreas Jahn. Mittlerweile ist er da ganz gelassen. Man könne quasi eine blinde Übergabe machen. Wo das Kehrblech ist, wissen die Mitglieder des Blasorchesters, das in diesem Jahr sein 120. Jubiläum feiern kann, mittlerweile auch.

 

Wie immer, wenn die Schott-Blasmusiker die "Noll" übernehmen, wird es die handgeformten Thüringer Klöße geben, die von Alt-Vereinsvorstand Günter Müller Hipper kredenzt werden – dazu Hirschgulasch, Rinderroulade oder Schwarzbierfleisch. Für 180 Gäste wird gekocht. Von den insgesamt 65 Orchestermitgliedern werden etwa 30 in der "Noll" zupacken.

 

Kuchen essen für die junge Oper

 

Ab 13.30 Uhr wird dann zum Kuchenbuffet geladen. Der Erlös des "Kuchenbasars" kommt traditionell einem Verein zugute. Die begünstigten Vereine backen einen Großteil der Kuchen selbst. Bisher seien im Schnitt immer etwa 400 Euro für die Vereine herausgekommen. Unterstützt wird diesmal ein ganz besonderes Musikprojekt – der Verein "Junge mitteldeutsche Kammeroper".

 

Der 20-jährige Friedrich Praetorius studiert Dirigieren an der Weimarer Hochschule für Musik "Franz Liszt". Seit September vergangenen Jahres dirigiert er das Schott-Blasorchester Jena. "Für mich ist das eine ganz neue Erfahrung. Keine Streicher, sondern nur Bläser vor sich zu haben, das ist schon eine Wucht. Und natürlich sind es Laienmusiker, was dazu führt, dass ich mich in Geduld üben muss."

 

Gemeinsam mit anderen Studenten hat Friedrich Praetorius den "Jungen Mitteldeutschen Kammeroper"-Verein gegründet. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht pro Jahr eine Opernproduktion auf die mitteldeutschen Bühnen zu bringen. 30 Orchestermusiker, 6 Schauspieler und 3 Kulturmanagerinnen gehören unter anderem zum Team. Bühnenbildner, Maskenbildner, Regie und Sänger – das Ensemble kann sich sehen lassen.

 

Es ist ein junges Opern-Ensemble für junge angehende Nachwuchskünstler. Am 16. Februar 2017 bringt das Ensemble die erste Oper auf die Bühne. In der "Schille" in Leipzig werden sie zwei Werke von Wolfgang Amadeus Mozart vereinen: "Bastien und Bastienne" und "Der Schauspieldirektor". "Junge Menschen kommen kaum noch mit dem Genre Oper in Berührung", sagt Friedrich Praetorius. Die Oper biete den Ort und die Zeit, um sich mit der eigenen Persönlichkeit und Grundsätzlichem des menschlichen Miteinanders auseinanderzusetzen.

 

"Die Finanzierung einer solchen Aufführung allerdings gestaltet sich schwierig, deshalb sind wir sehr dankbar für jede Unterstützung. Dass die Noll und das Blasorchester Schott Jena uns mit dem Kuchenbasar helfen, ist toll."

 

Auch in Thüringen wird die "Junge mitteldeutsche Kammeroper" ihr erstes Projekt aufführen: im Kulturhaus Gotha am 19. Februar 2017.

 

Am Sonntag (22. Januar 2017) wird es zwar keine Opernvorstellung in der "Noll" geben, aber Friedrich Praetorius, ein ehemaliger Sänger des Thomaner-Chores, wird mit der Gesangsformation "Adorabili" die Gäste begeistern. Natürlich gibt es im Biergarten auch wieder ein Schott-Blaskonzert.

 

Jördis Bachmann / 19.01.17